Wenn das ursprünglich besinnliche Weihnachten zum Hype wird

Weihnachten fängt irgendwie von Jahr zu Jahr immer früher an. Schon im September kann man die eigentlich für Dezember vorgesehenen Plätzchen und Spekulatius im Discounter antreffen. Überall glitzert und blinkt es. Menschenmassen versammeln sich bei allen Wetterbedingungen auf Weihnachtsmärkten. Kuschelmodus und Glühwein sind stark im Trend. Obwohl kein Mensch mehr mitsingen möchte, hört man für ein gefühltes halbes Jahr nur noch „Last Christmas…“ und Co. Die Rede ist vom Massenwahn des Weihnachtsrausches.

Ich bin weiß Gott die Letzte, die „Anti-Weihnachten“ ist. Ich liebe den Duft von frisch gebackenen Plätzchen, das „familiäre Beisammen-sein“, ja auch den Kuschelmodus auf dem Christkindlesmarkt finde ich manchmal gar nicht so schlecht. Auf den Part mit den Geschenken brauche ich wohl nicht so sehr einzugehen, denn ehrlicherweise finden ja alle Geschenke toll. Wenn geliebte Menschen an einen denken, einem Freude machen wollen und auch noch so liebevoll verpacken können, dann ist das schon eine ganz Feine Sache.

Der Wurm in der Ganzen Geschichte, ist trotz schöner Aufmachung, dennoch recht groß und dick. Der Trend aus Weihnachten ein kommerzbestimmtes und US-ähnliches Fest zu machen, ist ja nun wohl nicht mehr geheim. Alles, was in den USA schick und cool ist, müssen wir irgendwie auch haben. Wir stellen eben auch mal tausend Meter Hohe Tannen im Stadtzentrum auf und packen alles, was in der näheren Umgebung bereit lag auf den Baum; dann stecken wir den selbstverständlich ganz festlich an und jemand von den ganz dollen VIPs trällert uns ein Lied.  An Weihnachten kommt es dann eigentlich auch nicht in erster Linie auf Familie und Besinnung an sondern: erstens Deko, zweitens Kapitalismus. Ich kenne mittlerweile Familien, die regelrecht einen Wettkampf führen, wer denn nun dieses Jahr die grellere und hellere und coolere Vorgarten Weihnachtsbelichtung hinkriegt. Wir ersticken in unserem materiellen Prunk und Protz und unsere Brut schaut uns das Ganze ab. Dann heißt es nach Weihnachten in der Kita „Kimberly mir hat der Weihnachtsmann mehr Geschenke gebracht und Kevin meins war auf jeden Fall teurer als deins, ach Ahmet ihr feiert kein Weihnachten? Das ist ja mal absolut doof!“

Weihnachten, das Fest der Besinnung, als das Jesus Kind die Welt beehrte und den Menschen Nächstenliebe brachte… Als hier zu Lande Kinder an Weihnachten mit ganz viel Glück eine Orange und idealerweise eine Tafel Schokolade bekamen und den Geschmack genau dieser Geschenke, ein Leben lang nicht vergaßen. Die neue Generation bekommt leider nicht mehr so langlebige Geschenke, und Nächstenliebe fängt und endet komischerweise heute immer bei einem selbst an. Wir leben aber nun mal heute in einer pluralen Gesellschaft mit allen anderen Religionen, Atheisten, Agnostikern und eben auch finanziell Benachteiligten. Unsere Aufgabe ist es, vor allem an Weihnachten, am Fest der Liebe, unseren Kindern die Grundidee dieses Festes beizubringen und unsere Nächsten, egal woher sie kommen oder wer sie sind, zu lieben. Dann haben wir Weihnachten nicht nur verstanden sondern auch wirklich gelebt.

Fotoquelle APA

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