Wer spricht hilft ihr – Übergriffe auf Frauen

Es ist schockierend, dass Frauen in ein und derselben Nacht in drei verschiedenen Metropolen sexuell belästigt und ausgeraubt werden. Vor allem zeigt das, wie wenig die Gesellschaft für Frauen übrig hat. Es gibt 80 Tatverdächtige und insgesamt 90 Anzeigen sind wegen Diebstahl, Raub, Körperverletzung und sexuellen Übergriffen in massiver Form, darunter eine Vergewaltigung, eingegangen. Rechte Gruppierungen und einige Politiker nutzen diese Gelegenheit natürlich, um gegen Flüchtlinge zu wettern. Jeder Täter der Frauen belästigt muss bestraft werden. Seine kulturelle Zugehörigkeit macht einen Täter nicht schuldiger oder unschuldiger als er bereits ist. Aber es geht um etwas viel Tiefgreifenderes als um Rasse oder Geschlecht. Es geht darum, dass Menschen misshandelt werden. Frauen sind vor allem Menschen, nicht Wesen die man als gleichberechtigt dulden sollte, sondern Menschen, die genauso wertvoll sind und schützenswert. Aber mir scheint, dass wird oft vergessen und instrumentalisiert. Gewalt gegen Frauen betrifft immer die gesamte Gesellschaft. Frauen können an öffentlichen Orten nur so leicht bedrängt und vergewaltigt werden, wenn anwesende Personen wegschauen und schweigen.

[info_box]So klischeehaft es auch klingt. Wer schweigt hilft dem Täter. Wer spricht hilft dem Opfer. [/info_box]

Noch schockierender ist, dass sexuelle Übergriffe an Frauen erst wahr genommen werden, wenn sie in der Masse auftreten. Jeden Tag werden Frauen am Arbeitsplatz, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder anderswo belästigt und jeden Tag wird das ignoriert. Wenn Frauen sich bei der Polizei beschweren, und ich bin mir sicher jede Frau hat das mal erlebt, werden sie nicht ernst genommen. Nicht selten werden Frauen dann rhetorisch auseinander genommen: „Wie hat er Sie denn angeschaut? Also er hat nur geguckt. Er darf sich frei bewegen. Er darf hingehen wohin er möchte und hinschauen wohin er möchte. Das ist nicht verboten. Hat er etwas gesagt? Was hat er noch mal gesagt?“. Und wenn ein Kollege fragt, was denn sei: „Ach, da hat ein Mann geguckt.“ Da fühlt sich jede Frau natürlich doppelt sicher, denn ihr wurde gerade deutlich verklickert, dass sie sich nicht frei bewegen darf, nicht hingehen kann wohin sie möchte.

Mit Sicherheit fragen sich viele Frauen: „Warum?“

Warum werden sexuelle Übergriffe an Frauen erst wahrgenommen, wenn es eskaliert?

Warum muss das Schlimmste geschehen, damit wir, die Gesellschaft, aufmerksam werden?

Warum sagt niemand etwas, wenn er mitbekommt, dass eine Frau belästigt wird?

So klischeehaft es auch klingt, bei heterosexuellen Missbrauchsfällen zählt: Wer schweigt hilft ihm. Wer spricht hilft ihr.

 

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