Auf deinem Schreibtisch bilden Berge an Büchern eine dicke Mauer zur Umwelt.

Völlig optimistisch beginnst du als Mitglied der motivierten Studentinnen mit Berechnungen zur Zeiteinteilung:

"Täglich 5 Stunden Schlaf müssten genügen", redest du dir ein, indem du versuchst deine Mundwinkel gegen die Schwerkraft kurz nach oben zu ziehen.
Deine angeblichen "Pausen" bestehen aus Essen, Duschen und urinieren bzw. defäkieren.

Schminken, Haare machen und sich Gedanken darüber zu machen, welche Tasche heute zu deinem Outfit passen, gehören nicht zur Routine der Studentinnen, denn die Wahl der passenden Tasche am Morgen in Hektik und das Überführen des Inhaltes der einen Tasche in die Andere würde durchschnittlich 75 Sekunden in Anspruch nehmen und wäre mit dem Risiko verbunden entweder den Hausschlüssel, Kopfhörer oder den Labello dabei zu vergessen.

Außerdem müsstest du zum Bus/zur Bahn rennen und würdest diese/diesen trotz des Spitzenlaufes verpassen. So schnell bist du womöglich nicht einmal damals bei den Bundes-Jugend-Spielen gesprintet aber das wird außer dir nie irgendjemand wissen.

Im Endeffekt begibst du dich in den nächsten Bus/ die nächste Bahn, die zu deinem Glück noch verspätet ankommt und du die Ehre hast an der Aktion "verschwitzt-stehen-im-verspäteten-überfüllten-Bus" teilzunehmen. "Yaaaaaaaaaaaay!", denkst du mit deinem überaus begeistertem Blick mit einem Hauch von Ironie und lächelst deinem Schicksal beinahe mit Freudentränen ins Gesicht.

Abgesehen von der Tasche bevorzugst du es eine möglichst große Brille aufzusetzen, die sich über das zweite Viertel horizontal durch dein Gesicht ziehen soll . Wieso?

Schauen wir uns deinen Monolog am Morgen an:

Du durchstöberst dein Schminktäschchen.

"Kajal? - bin müde,wird verschmieren. Eyeliner? - was wenn ich den einen Liedstrich länger oder dicker als den andren ziehe und es abwischen muss? - Zu aufwändig! Mascara..Mascara?? Mascara!!!

Faulere Studentinnen: Mascara? Mascara?? - Brille, ja Brille ist gut!

Und die Haare möglichst locker nach oben stecken damit sie dir nicht in die Quere kommen oder vollkommen lose dem Wind aussetzen.

Manchmal wünschst du dir möglichst schnell wieder zu Hause zu sein oder dich unsichtbar durch die Straßen zu schleichen. Eine Tüte wäre manchmal auch eine Lösung.

Zu Hause vermeidest du dich im Spiegel anzustarren.
An die Augenringe, die mittlerweile denen eines Junkies gleichen, hast du dich ja bereits gewöhnt, aber es besteht immer die Gefahr einen eitrigen Pickel zu entdecken, der die Nagelspitzen deiner beiden Zeigefinger nahezu magnetisch jeweils 1,5mm neben die Pickelspitze ansetzt und diese sich vollkommen automatisiert in Richtung Hügelmitte bewegen zum Entleeren der ästhetisch äußerst positiv auffallenden Erhebung in deinem größtenteils ebenen Gesicht.

Selbst den Gedanken dieses Aktes vermeidest du, da keine zweite Berglandschaft nach den Büchern auf deinem Schreibtisch noch dein Gesicht erobern soll.

Selbstverständlich müssen Freunde und Familie auch vernachlässigt werden dazu bleibt nun wirklich keine Zeit.

Du hattest in keiner der Beschreibungen den Eindruck, ich hätte meine letzten Wochen damit verbracht, dein Leben von der Ferne oder von der ersten Reihe mitzuverfolgen ?
Dann bist du dem Stress des Bildungssystems des 21. Jahrhunderts wenig bis kaum ausgesetzt.
Studentinnen werden sich in den Beschreibungen hin und wieder finden können... Ein Hoch auf das Studentinnenleben meine Lieben!

Bildquelle: http://thumbs.dreamstime.com/z/sch%25C3%25B6ne-studentin-holen-stapel-b%25C3%25BCcher-der-klasse-31543485.jpg

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