Wieso wir unbedingt vom ersten Satz des Textes gefesselt sein wollen

Kennt ihr das, wenn ihr nach DEM Artikel, DEM einen Roman, DEM einen Satz sucht – und ihn nicht findet? Ihr schlagt die Zeitung auf (falls ihr das überhaupt noch kennt und eure Neugier für die Welt nicht nur über Facebook-Nachrichten stillt) und geht die Schlagzeilen durch. Eins nach dem anderen. Und stoßt auf Stichworte in den Artikeltitel wie „Stolpersteine“, „Juden“, „Pathos“, „IS“, „CIA“, „Mossad“, „Doppelmoral“, „Europäer“, „Frauenbild“, „Mauerfall“ (aus der ZEIT vom 06. November 2014). Das sind die Themen gegen Ende des Jahres 2014. Ich frag mich gar nicht, ob wir weiter als letztes Jahr gekommen sind. Ob es nun neue Themen sind, die diskutiert werden.

Ich frage mich eher, wie lange diese Welt die gleichen Debatten noch austragen können wird. Doch im Grunde wird ja leider schon erkennbar, dass kommende Generationen die Debatten so weiterführen, wie man sie ihnen vermittelt hat. Der Mensch – so schwach des Umdenkens. So stark des Nachahmens. Verweilt er im Hier und Jetzt mit dem Blick stets auf das Gestrige oder vermeintlich idealistisch auf das Morgen – wo doch die eigentliche Kunst darin liegt, in der Zeit seiner selbst zu wirken und zu werken. Amen.

Und ich denke, dass wir nicht nach DEN bestimmten Worten suchen. Sondern nach neuen.

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Comments

  1. Der „erste Satz“ ist doch voll anachronistisch. Heute muss es das „erste Bild“ heißen. 😛

  2. Dennis says:

    Sehr schöner und treffender Beitrag 🙂

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