Wir trauern um die großartige Maryam Mirzakhani

Sie verließ uns noch bevor der Sommer seine Hochzeit erlebte. Wir trauern an diesen Tagen um eine großartige Frau. Maryam Mirzakhani war Professorin an der Stanford Universität. Sie erlag dem langen Kampf gegen den Brustkrebs und ging am 15. Juli mit 40 Jahren von uns. Bis heute ist Mirzakhani die einzige weibliche Gewinnerin der Fields Medaille, die sie 2014 entgegen nahm. Die Fields Medaille ist der renommierteste Preis in der Mathematik, gleichsam der „Nobel Preis“ für Mathematiker.

Mirzakhanis Arbeiten sind bahnbrechend und werden vielleicht Dinge einleiten, die in 5, 10 oder 20 Jahren von großer Bedeutung sein werden. „Maryam ging viel zu früh, aber ihr Einfluss wird weiterleben für tausende Frauen, die sie inspirierte Mathematik und Wissenschaft zu betreiben“, sagte der Präsident der Stanford Universität Marc Tessier-Lavigne.

Ihre Arbeitskollegen beschreiben Maryam Mirzakhani als eine mutige und entschlossene Wissenschaftlerin. Mathematische Probleme, die andere nicht angehen konnten oder wollten, löste Mirzakhani mit Erfolg. „Man muss einiges an Kraft und Mühe investieren, um die Schönheit der Mathematik zu sehen“, sagte sie im Interview. „Ich war nicht immer so begeistert von der Mathematik. Ich habe begeistert Romane gelesen und ich dachte, ich würde eines Tages Schriftstellerin werden. Vielleicht hat mich die Herausforderung begeistert und dann habe ich gesehen, dass es [die Mathematik] sehr schön ist und dass es mir Spaß macht.“

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2013 veröffentlichte sie eine 200-Seiten starke wissenschaftliche Arbeit in Zusammenarbeit mit Alex Eskin von der Chicago Universität. Die Arbeit löst die Frage nach der Laufbahn einer Kugel über eine mehreckige Fläche. Diese Arbeit wurde als „der Beginn einer neuen Ära“ gefeiert, denn damit löste sie ein Problem, dass Physiker seit über einen Jahrhundert beschäftigt hat.

„Das Besondere an Maryam, das ist ihr Alleinstellungsmerkmal, ist die Originalität mit der sie unterschiedliche Dinge kombiniert“, sagte Steven Kerckhoff, Mathematik Professor an der Stanford Universität. Diese Fähigkeit hat Mirzakhani bereits in ihrer Doktorarbeit gezeigt, in der sie zwei langwierige Probleme gelöst hat. Dem Mathematiker Benson Farb von der Universität von Chicago sagte, das jeder der beiden Lösungen für sich schon ein großes Ereignis ist. Maryam Mirzakhani hat beide kombiniert. Das brachte ihr viele Artikel in den drei großen wissenschaftlichen Zeitschriften der Mathematik ein. Als man sie fragte, was ihr Beitrag zur Wissenschaft ist, kicherte sie und zögerte bis sie sagte: „Um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass ich einen so großen Beitrag geleistet habe“.

Ihr Doktorvater Curtis McMullen von der Harvard Universität beschreibt sie als eine Wissenschaftlerin, die vor „unerschrockener Ambition strotzt, wenn es um die Mathematik geht“. Schon in ihrer ersten Zeit an Harvard hat sie, trotz sprachlicher Barrieren, ihre Professoren mit Fragen durchlöchert und ihre Notizen eilig in Farsi hingekritzelt.

Sie schloss davor ihr Studium an der Sharif Universität in Teheran ab. Aber die Grundsteinlegung für ihren Weg in die Mathematik erfolgte schon viel früher, an einer Schule für mathematisch begabte Kinder. Ihr erstes Jahr an der Schule verlieft nicht besonders gut. Ihr Lehrer zweifelte an ihrem mathematischen Talent und das hat Maryam Mirzakhani sehr entmutigt. Doch dann bekam sie einen neuen Lehrer. „Ab dem zweiten Jahr war sie der Star“, sagte ihre Freundin Roya Beheshti, Mathematikprofessorin an der Washington Universität in St. Louis.

Mirzakhani und Beheshti gingen damals gemeinsam zur Schuldirektorin, weil sie sich eine Matheklasse wünschten, wie es an den Schulen für Jungs üblich ist. (Das Schulsystem im Iran ist nach Geschlechtern getrennt.) „Ihre Einstellung war sehr positiv und optimistisch, es war dieses ‚ihr könnt es erreichen, auch wenn ihr die ersten seit‘.“ So kam es, dass Maryam Mirzakhani 1994 und 1995 die Goldmedaille der Internationalen Mathematik Olympiade gewann. Über die Unterstützung durch ihre Schulleiterin sagte sie: „Ich glaube das hat mein Leben stark beeinflusst.“

Maryam Mirzakhani hinterlässt eine sechsjährige Tochter und einen Ehemann.

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