Zwischen politischen Disput und Krieg: Das Konfliktbarometer des HIIK

Es herrscht Krieg in der Ukraine. Verschiedene regierungsfeindliche militärische Gruppen, die von Russland unterstützt werden, und die Übergangsregierung unter Oleksandr Turchynov and Präsident Petro Poroshenko stehen in einer Positionsdifferenz hinsichtlich Sezession, Orientierung des politischen Systems sowie Ressourcen in der Donbas Region. Die Austragung dieser Positionsdifferenz liegt außerhalb etablierter Regelungsverfahren und  bedroht staatliche Kernfunktionen und zum ersten Mal seit 2008 gibt es einen Krieg in Europa. Auch wenn im Mediendiskurs noch häufig von „Konflikt“ die Rede ist, zeigt die wissenschaftlich fundierte Analyse des  Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung (HIIK), dass sich der Konflikt im Donbas bereits in 2014 mit dem Sturz der Yanukovych Regierung von einer Krise zur kriegerischen Auseinandersetzung entwickelte. Insgesamt konstatiert das HIIK eine Anzahl von 424 Konflikten weltweit, sechs mehr als im Vorjahr. Von 223 Konflikten, die mit einer Form von Gewalt ausgetragen worden sind, waren 21 Kriege. Die regionale Auswertung der Konflikte für 2014 zeigte, dass sich die höchste Anzahl an Konflikten mit fast 30% aller aufgenommenen Fälle in Asien und Ozeanien fand, die meisten Kriege mit jeweils neun jedoch im Nahen Osten und Maghreb und Sub-Sahara Afrika.

Um Konflikte und Kriege und deren Dynamiken zu verstehen, reicht es dem HIIK nicht aus Opfer zu zählen. Seit der Gründung in 1991 zieht das HIIK eine Vielzahl von Merkmalen zur Konfliktanalyse heran, wie die Zahl der involvierten Personen, den verwendeten Waffen, der Anzahl der Todesopfer und Flüchtlinge sowie  das Ausmaß der Zerstörung, und schafft es dadurch nicht nur zwischen Krieg und Frieden zu unterscheiden, sondern politische Auseinandersetzungen in fünf Intensitätsstufen zu unterteilen:  1. Disput, 2. gewaltlose Krise, 3. gewaltsame Krise, 4. begrenzter Krieg, 5. Krieg. Seit 2011 nutzt das HIIK sowohl qualitative als auch quantitative Indikatoren zur Konfliktforschung und mit der Erweiterung der Methodik erfolgte die Bestimmung der Intensität eines Konflikts differenzierter für einzelne politische Einheiten auf subnationaler Ebene und auf der Grundlage der Kalendermonate. Die Konfliktdynamiken in den einzelnen politischen Einheiten und Monaten werden im Konfliktbarometer in den präzisen Konfliktbeschreibungen und anhand von Karten  visuell dargestellt. Die analysierten Konflikte variieren maßgeblich in Dauer, Intensität und territorialen Ausmaß. In Datenbanken, die speziell für die Konfliktforschung entwickelt wurden, sammeln die Konfliktforscher Daten zu mehr als 800 politischen inner- und zwischenstaatlichen Konflikten auf der ganzen Welt und ermitteln dadurch ein detailliertes Konfliktbild. So werden auch jene Konflikte systematisch erfasst, die nicht im Konfliktbarometer erscheinen, wodurch die Entwicklungen der Konflikte aller Intensitätsstufen auf Dauer transparent bleibt. Etwa 150 Studierende und DoktorantInnen engagieren sich ehrenamtlich in der Konfliktforschung des unabhängigen und gemeinnützigen Vereins und veröffentlichen ihre Ergebnisse im jährlich erscheinenden Konfliktbarometer.

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Weiterführende Informationen:

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